Bündnis Verkehrswende jetzt

Radinfrastruktur ausbauen

Angstfreies Radfahren für alle

Wir wollen eine Radinfrastruktur, die den Ansprüchen von Radfahrenden gerecht wird. Unser Ziel ist es, angstfreies Radfahren für alle möglich zu machen und Radverkehrswege zu schaffen, die zum Umstieg auf das Fahrrad einladen.

Unsere Forderungen und Ziele für den Radverkehr

Der Radverkehrsanteil im Gesamtverkehr der Kernstadt soll in diesem Zeitraum auf 50 Prozent steigen. Dies bedingt, dass der Straßenraum neu aufgeteilt wird. Der Autoverkehr darf von Politik und Verwaltung nicht mehr als gegebene Größe hingenommen werden und Radverkehrsförderung nur in dem Raum stattfinden, der übrig bleibt. Wir wollen eine wirkliche Gleichberechtigung der Verkehrsträger und dazu benötigt das Fahrrad deutlich mehr Platz auf der Fahrbahn.

Die Stadt Würzburg soll die organisatorischen und personellen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Inhalte der vorliegenden Ziele bestmöglich umgesetzt werden.

Die Verwirklichung der im Radverkehrskonzept der Stadt Würzburg definierten Routen muss deutlich schneller vorangetrieben werden als bisher, eine Ergänzung um sichere Schulwegrouten für Kinder und Jugendliche bis zum Schulabschluss ist notwendig. Die Routen müssen eine stringente Führung aufweisen, von Radnutzern intuitiv erfassbar sein und durch ihre Ausgestaltung zeigen, dass Radfahrer hier willkommen sind. Man muss auf ihnen zügig und sicher zugleich vorankommen und nicht in Konkurrenz zum Fußverkehr stehen. Speziell stellen Fahrradstraßen, Lichtsignalanlagen mit Priorisierung für den Radverkehr, Querungshilfen („Sprung- oder Mittelinseln“) sowie niveaufreie Kreuzungsmöglichkeiten wichtige Elemente dar.

Zumindest an vielbefahrenen Hauptstraßen müssen Radfahrende einen besonderen Schutz genießen, z.B. durch abgetrennte Fahrradstreifen (Protected Bike Lanes) oder bauliche Radwege. Mischverkehr sollte sich auf Straßen mit Tempo 30 oder darunter beschränken.

Auch die Kreuzungsbereiche sollen nach und nach radverkehrsfreundlich umgebaut werden, denn sie stellen momentan eine hohe Gefährdung für den Radverkehr dar. Radverkehrsmarkierungen sollen an Kreuzungen nicht enden (in Würzburg der Normalfall!), sondern weitergeführt werden. Der Radverkehr wird mit dem motorisierten Verkehr oder durch eigene Signalanlagen geregelt, aber keinesfalls mit der Signalanlage für Fußgänger, da die längeren Räumzeiten für Fußgänger die Grünphase für den Radverkehr erheblich und unnötig verkürzen. Eine Überplanung und fahrradfreundliche Umgestaltung von mindestens fünf Kreuzungen pro Jahr erachten wir als notwendig, vorrangig dabei unsichere und vom Radverkehr vielbefahrene Kreuzungen.

In Würzburg gibt es noch keine einzige Fahrradstraße, also Straßen, in denen der Radverkehr Vorrang genießt. Fahrradstraßen sind aber ein wichtiges Element der Radverkehrsförderung. Sie können nicht nur in Straßen eingerichtet werden, die bereits einen hohen Radverkehrsanteil aufweisen, sondern laut Verwaltungsvorschrift auch dort, wo dieser zu erwarten ist. Dies ist daher insbesondere bei der Planung von Radverkehrshauptachsen zu berücksichtigen.

Es sollen mögliche Trassen entwickelt werden, um so auch den Radpendlerverkehr aus dem Umland schnell und sicher an die Stadt anzubinden. Gemäß dem entsprechenden Arbeitspapier der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen sollen Radschnellwege durchschnittliche Reisegeschwindigkeiten von mindestens 20 km/h erlauben, die Breite bei Zweirichtungsradwegen sollte im Idealfall so gewählt sein, dass zwei Fahrräder nebeneinander fahren und ohne Störung durch ein drittes Fahrrad überholt werden können bzw. Gegenverkehr möglich ist.

Bedarfsorientiert sollen deutlich mehr diebstahlsichere Fahrradabstellanlagen dezentral in der Stadt errichtet werden. Der Bedarf soll anhand der abgestellten Fahrräder regelmäßig überprüft und ggf. durch Ergänzung fortgeschrieben werden. Die Stadt Würzburg soll darauf hinwirken, dass auch an Wohnanlagen (sowohl im Neubau als auch im Bestand) ausreichend sichere und insbesondere witterungsgeschützte Fahrradabstellanlagen vorhanden sind. Insbesondere die Stadtbau Würzburg GmbH ist hier in der Pflicht. Zeitnah müssen Gespräche mit der DB Station & Services sowie den Bauherren der angrenzenden Entwicklungsflächen geführt werden, um eine ausreichende und zeitgemäße Anzahl an Fahrradabstellmöglichkeiten am Würzburger Hauptbahnhof in Form einer Radstation sicherzustellen.

Schon im Kindergarten soll das Thema Radfahren bei Elternabenden thematisiert werden. Durch den Einsatz von Laufrädern können die Kinder im Kindergarten ihren Gleichgewichtssinn trainieren, der Umstieg auf ein Fahrrad wird erleichtert. Wichtig ist, die Eltern ab dem Kindergarten zu animieren, ihre Kinder nicht mit dem Auto, sondern zu Fuß oder mit dem Fahrrad/Laufrad zu bringen oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Entsprechend sind Fahrradwege in die Schulwegpläne mit aufzunehmen. Hilfreich sind insbesondere schulnahe Umbauten von bisher dem Autoverkehr gewidmeten Fahrbahnbereichen zu Radwegen. Um allen Kindern das Fahrradfahren zu ermöglichen, sollen alle Grund- und weiterführenden Schulen über mehrere Leihfahrräder für Kinder ohne eigenes Rad verfügen.

Die Stadt Würzburg unterstützt den privaten wie gewerblichen Einsatz von Lastenrädern und Fahrradanhängern. Hierfür soll der erhöhte Platzbedarf für solche Räder bei der Radinfrastruktur berücksichtigt werden. Die Förderprämie der Stadt Würzburg für Lastenräder in Höhe von 50.000 Euro soll bei Bedarf auch aufgestockt werden können. Die Stadt Würzburg sorgt für eine umweltfreundlichere Zustellung von Lieferungen durch die KEP-Branche (Maßnahme aus dem Green City Plan). Sie unterstützt und fördert den Ausbau des kostenlosen Lastenradverleihs durch die Initiative Freies Lastenrad Würzburg und fordert bei der Ausschreibung ihrer Postzustellungen den Einsatz umweltfreundlicher Zustellfahrzeuge.

Ziel teilweise erreicht!

Die Stadt Würzburg fördert seit dem 24.6. den Kauf von E-Lastenrädern für private Nutzung. Wir freuen uns über diese Entwicklung und hoffen, dass viele andere Gemeinden in der Region folgen!

Diese Maßnahmen soll konsequent weitergeführt werden mit dem Ziel, in absehbarer Zeit alle Einbahnstraßen einbezogen zu haben. Ausnahmen sollen einer besonderen Begründung bedürfen. Gegebenenfalls sind zur Verdeutlichung und für die Sicherheit der Radfahrenden Einfädelstreifen und Fahrradsymbole aufzubringen. Wenn es die Sicherheitslage erfordert, sollen in Gegenrichtung Radfahr- oder Schutzstreifen mit eingefärbt werden.

Die Stadt Würzburg trägt dafür Sorge, dass das Halten und Parken auf Fußwegen und Radverkehrsanlagen konsequent unterbunden wird. Um die notwendigen Kontrollen durchführen zu können, ist zu prüfen, ob die personelle Ausstattung des Kommunalen Überwachungsdienstes ggf. erhöht werden muss.

Die Würzburger Bürger sollen durch gezielte und professionelle Image- und Aufklärungskampagnen für mehr Radverkehr sensibilisiert werden. Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiges Instrument der Radverkehrsförderung. Die Wahrnehmung, die Bedeutung und Akzeptanz des Radverkehrs wird dadurch in den öffentlichen Fokus gerückt und bei allen Verkehrsteilnehmern positiv erhöht. Ein Grundsatzbeschluss des Stadtrates zur Durchführung solcher Kampagnen mit einem Finanzansatz von 60.000,- € pro Jahr liegt vor, mindestens diese Gelder sollen daher jährlich in den Haushalt eingestellt und auch bewilligt werden.

Radverkehrsanlagen müssen in Breite und Ausführungen dem Normstandard der gängigen Regelwerke (RASt, ERA) genügen, Mindestbreiten sind in jedem Fall zu vermeiden. Bei der Planung muss der zunehmende Einsatz von Pedelecs, Lastenrädern und Fahrradanhängern berücksichtigt werden, die breitere Fahrspuren benötigen und wegen der unterschiedlichen Geschwindigkeiten vermehrt Überholvorgänge mit sich bringen.