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Fußgänger dominieren in der Semmelstraße…

… aber das sieht man ihr gar nicht an

Es gibt einige markante Straßen in Würzburg, die jedem geläufig sind, der Zeit in der Innenstadt verbringt – etwa die berühmte Sanderstraße mit ihren Kneipen, die Domstraße als Zugang zur Alten Mainbrücke oder auch die Eichhornstraße als „neuester“ Teil der Fußgängerzone.

Direkt in deren Nachbarschaft liegt die Semmelstraße, die für einige das östliche Tor zur Innenstadt darstellt. In der Semmelstraße befinden sich Geschäfte verschiedener Gewerbe, Wohnhäuser und der Platz des Bäckerbrunnens. Als Hauptachse für Fußgänger und Radfahrer (Radachse 8) von den östlichen Stadtteilen wie Grombühl, Versbach und Lengfeld kommend, hat sie auch eine große Bedeutung für den Verkehr. Die Semmelstraße ist in Richtung der Innenstadt eine Einbahnstraße und für den Radverkehr in beide Richtungen freigegeben.

Im Moment ist allerdings ein Großteil der Fläche der Semmelstraße für den Kraftverkehr reserviert. Auch die Außengastronomie von einigen Wirtschaften ist von vielen Parkplätzen umgeben, welche auf beiden Seiten der Straße abgestellt werden können. Mittlerweile sind auch vier Radabstellplätze eingerichtet worden. Durch all diese Einrichtungen kann es zu Engstellen für den Radverkehr kommen.

Für eine Bestandsaufnahme der Verkehrsverhältnisse haben Teilnehmer des Bündnisses Verkehrswende jetzt am 20. November 2020 eine Verkehrszählung durchgeführt. Als Zuführung zur Semmelstraße und als hochfrequent genutzter Übergang wurde außerdem eine Zählung an der Kreuzung Berliner Platz/Prymstraße über den Haugerring durchgeführt.

Erstmal die Zahlen für sich (Zähldauer 1 Stunde am frühen Nachmittag):

             Zählaktion                        Fußgänger                        Radfahrer                        Autofahrer           davon mit auswärtigem Kennzeichen         
Semmelstraße 421 160 144 41
Prymstraße 320 153 1650  

An der Prymstraße überquerten in der Stunde etwa doppelt so viele Fußgänger wie Radfahrer, allerdings ist dies aufgrund der nicht vorhanden Optimierung für den Radverkehr dennoch eine hohe Zahl. Mit der Nähe zum Berliner Ring als Hauptknoten war die Anzahl der Kraftfahrzeuge mit über 1600 erwartungsgemäß auch sehr hoch.

Mit Abstand die meisten Verkehrsteilnehmer in der Semmelstraße waren die Fußgänger mit über 400 in einer Stunde. Als nächstes kamen die Radfahrer mit 160 – etwas mehr als die Pkws mit 144. Angemerkt werden muss, dass die Radfahrerzahlen in den wärmeren Jahreszeiten vermutlich deutlich höher sind.

Semmelstraße mit umliegenden Straßen. Besonders an der Kreuzung zur Textorstraße ist die Verkehrssituation ungünstig gelöst – was sich auch auf unserer Problemstellenkarte widerspiegelt.

Obwohl die Semmelstraße eindeutig am meisten von Fußgängern und Radfahrern genutzt wird, ist die heutige Situation mit beidseitigem Parken und dem hohen Parksuchverkehr nicht für die Hauptnutzer gestaltet. Viele Fahrzeuge sehen die Semmelstraße als kostengünstigen oder kostenlosen Parkplatz an, um dann schnell einen Abstecher in die benachbarte Fußgängerzone zu machen. Während der Zählaktion konnten auch zahlreiche Falschparker beobachtet werden, welche sich ins Parkverbot, in Halte- und Anlieferzonen oder auf Radstreifen stellten. Auch die Abstellmöglichkeiten für Fahrräder vor allem in der Mitte der Semmelstraße sind meistens stark belegt und es ist deutlich mehr Bedarf vorhanden. Die Ausleitung des Radverkehrs in die Textorstraße ist sehr unübersichtlich, da Radfahrer auf dem Gehweg vor dem Buchladen aufgestellt werden und dann mit dem Fußgänger die Straße queren. Diese Kreuzung muss dringend für alle Verkehrsteilnehmer überarbeitet werden. Für die Zukunft wäre eine Neugestaltung der Semmelstraße und all ihrer Anschlusskreuzungen wünschenswert – basierend auf den dominanten Nutzungsformen und in Absprache mit den Gewerbetreibenden.

An der Kreuzung Prymstraße muss der Radverkehr gemeinsam mit den Fußgängern eine Ampel queren. Dies ist der einzige Weg um den Berliner Ring herum und damit Teil der Radachse aus Grombühl und anderen Stadtteilen.

Auch an der Kreuzung Prymstraße ist die Fläche zum Überqueren für die Menge an Verkehrsteilnehmern unterdimensioniert. Hier gibt es keine Trennung für Radfahrer und Fußgänger, wodurch es zu Konflikten kommen kann und der Radverkehr nicht im optimalen Tempo fließt. Problematisch ist auch, dass die Radfahrer in der Prymstraße auf das Kopfsteinpflaster geleitet werden. Aufgrund dieser unbequemen und bei Nässe gefährlichen Fahrbahndecke weichen viele Radfahrer unerlaubterweise auf den Gehweg aus. Auch hier bietet sich eine Neugestaltung der Überquerung. Am besten wäre es, das ganze mit den Maßnahmen in der Semmelstraße zu kombinieren. Dadurch könnte die Radachse von Grombühl und den anderen östlichen Stadteilen deutlich an Attraktivität gewinnen!

Das Bündnis Verkehrswende jetzt wird an beiden Orten in der Zukunft weitere Zählungen vornehmen, um die Verkehrssituation im Blick zu behalten und sich für einen flüssigeren Verkehr und eine gerechtere Flächenverteilung für alle Verkehrsteilnehmer einzusetzen.

2 Gedanken zu „Fußgänger dominieren in der Semmelstraße…

  1. Die Achse Grombühl-Marktplatz ist ein einziger Hindernisparcours! Wie beschrieben die Prymstraße, dann noch der durch Parkplatz und Bordstein erzwungene Umweg zur Neutorstraße. Das wäre doch ein schönes Projekt für eine Radvorrangroute!

    1. Lieber Helmut,

      ja. Das ist für uns Radfahrende ein Ärgernis. Auch uns im Bündnis ist die derzeitige Führung der Radroute am (demnächst fertig umgebauten) Übergang am Berliner Ring über die Prymstraße in die Neutorstraße ein Dorn im Auge. Wir wissen aus dem Radverkehrsbeirat vom Fachbereich Tiefbau, daß sie an einer Ausarbeitung für eine Änderung in der Prymstraße dran sind. Wir kennen aber die Vorstellung der Verwaltung (noch) nicht wie sie aussehen soll. Zudem läßt die derzeitige (Neu-) Gestaltung am Übergang Berliner Ring vermuten, daß die Führung des Radverkehrs Richtung Innenstadt über die Kroatengasse vorgesehen ist. Genau wissen wir auch das allerdings nicht. Noch nicht. Aber: Wir bleiben da am Ball. Versprochen!

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