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Frankfurter Straße: Neue Gefahrenquellen für den Radverkehr

Gut gedacht, aber nicht ganz gut gemacht: In der Frankfurter Straße gibt es eine neue Radverkehrsspur am Fahrbahnrand, die einen deutlichen Vorteil gegenüber der vorherigen, holprigen Strecke darstellt. Es zeigen sich aber auch klare Nachteile, weswegen die Mitglieder der AG Radverkehr der lokalen Agenda 21 in der vergangenen Woche die Situation begutachtet haben. Die Agenda 21 ist Bündnispartner des AK Fahrrad des „Bündnis Verkehrswende jetzt“. Und auch unser AK Fahrrad war vor Ort, um die Lage mit einer Zählaktion zu bewerten.

Zwar wurde mit dem neuen Fahrstreifen für Radfahrer ein Sicherheitsstreifen berücksichtigt, der die Radfahrer vor „Dooring“-Unfällen schützen soll: Sich plötzlich öffenende Türen wegen unachtsamer Autofahrer, die vor dem Öffnen der Tür nicht über die Schulter sehen. Leider schafft die aktuelle Verkehrsführung neue Gefahrenquellen: Der Fahrweg für den Kraftverkehr reicht in seiner Breite nicht aus, dass Autos mit dem nötigen Mindestabstand Radfahrer überholen können. Dies führt natürlich dazu, dass Autos oder sogar größere Fahrzeuge an dieser Stelle trotzdem überholen und damit die Fahrradfahrer gefährden.

(1) Die Schwimmnudeln verdeutlichen: Die Fahrbahn ist zu schmal für gemeinsamen Verkehr von Radfahrern und Autos

Bei der Begutachtung vor Ort wurde festgestellt, dass Schutzstreifen und Fahrbahn zu schmal sind, damit
a) die Radfahrenden 1,00 m Abstand zu den parkenden PKW einhalten können und
b) 1,50 m Abstand bei Überholvorgängen von PKW zum Radverkehr vorhanden ist.

„Die Situation wird von vielen Rad Fahrenden als zu gefährlich eingestuft, da alle KFZ die Fahrräder überholen, meist ohne Einhaltung des Mindestabstands.“

Aus dem Antrag der AG Radverkehr

Wegen der kalten Witterung waren im Betrachtungszeitraum am Freitag Nachmittag nur gut ein Dutzend radfahrende Personen im Bereich der Einmündung Schorkstraße / Frankfurter Straße unterwegs. Allerdings konnten wit in diesen eineinhalb Stunden in drei Fällen sicher wahrzunehmende, unzulässige Überholvorgänge von KFZ durch viel zu geringen Seitenabstand beobachten.

Bei fast allen radelnden Personen fiel uns zudem noch der fehlende Sicherheitsabstand zu den geparkten Fahrzeugen auf. Dies kann als „versuchte Flucht“ in den „vermeintlichen Sicherheitsstreifen“ vor dem fließenden KFZ-Verkehr aufgefaßt werden. Gerichte sahen das in der Vergangenheit bei Dooring-Unfällen allerdings anders. Hier wurde Radfahrenden eine Teilschuld zugewiesen, da sie nicht wenigstens einen Abstand von rund einem Meter zum ruhenden Verkehr eingehalten hatten.

Erschwert wird der Sachverhalt dadurch, daß es doch eine erhebliche Anzahl teils deutlich unzulässig geparkter KFZ auf der ganzen Strecke zwischen Hartmannstraße und Straba-Haltestelle Sieboldmuseum in beiden Richtungen gab und wohl regelmäßig gibt. Dieses Verhalten verringert den „Sicherheits-Spielraum“ Radelnder um bis zu 50 cm, die deshalb auf die Fahrspur ausweichen müssen. Allerdings nicht immer mit Verständnis durch KFZ-Lenker, wie uns von Mitgliedern des Radverkehrsbeitrates berichtet wurde. Sie wurden schlicht angehupt und teils durch Auffahren bedrängt doch gefälligst Platz zu machen.

ungenutzter Stellraum auf der Fußwegseite

Wir fordern daher eindringlich, dass zum Schutz der Radfahrerinnen und Radfahrer dringend weitere Maßnahmen ergriffen werden müssen. Da in der Gegend auch viele Familien und Kinder wohnen, sollte der Durchgangsverkehr verlagert werden, bevor es zu größeren Unfällen kommt. Wir würden uns hier über einen gemeinsamen Austausch freuen und schlagen vor

  • das neue Verkehrszeichen 277.1 (Überholverbot von Zweirädern durch mehrspurige Kfz) aufzustellen (Bild 2), damit auch Uneinsichtigen klar gemacht wird, dass hier Überholvorgänge nicht möglich sind,
  • im Verlauf der gesamten Straße ein Tempolimit von 30 km/h einzuführen,
  • die Einhaltung der geltenden Regelungen und des falschen Parkens (Bild 1) verstärkt durch die Polizei und den Ordnungsdienst zu kontrollieren.

(2) Verkehrszeichen für das Überholverbot von Zweirädern durch mehrspurige Kfz

Zudem sollte – nach einem Vorbild in der Schloßstraße in Frankfurt-Bockenheim [1],[2] – der Schutzstreifen wieder entfernt und stattdessen ein breiter Sicherheitstrennstreifen zu den Parkplätzen markiert und auf der Straße ein Fahrradpiktogramm aufgetragen werden, das allen Verkehrsteilnehmern klar macht, dass hier auf der Straße gefahren wird .

Die erforderlichen Abstände werden nicht eingehalten

Quellen (ADFC Frankfurt/Main):
[1] Bockenheim: Schloßstraße neu markiert – jetzt bitte richtig fahren!
Monatelang war es angekündigt, jetzt wird es Zug um Zug umgesetzt: auf der Schloßstraße in Bockenheim wird der alte Rad- und Schutzstreifen demarkiert, und zwar zu Recht, denn er schützte nicht, er bot keine Distanz zur Türöffnungszone („Dooringzone“), und er sicherte auch nicht den Überholabstand von 1,5 Metern.
https://www.adfc-frankfurt.de/Archiv/Nachrichten/00462.html

[2] Achtung Türzone – Lebensgefahr!
ADFC, VCD und Radentscheid demonstrieren gemeinsam an der Schloßstraße, warum die Abstandsmarkierung dort hilft, schlimme Unfälle zu verhindern
https://www.adfc-frankfurt.de/Archiv/Nachrichten/00466.html

4 Gedanken zu „Frankfurter Straße: Neue Gefahrenquellen für den Radverkehr

  1. Wäre es nicht auch eine praktikable Lösung, die Parkbuchten weiter auf den Gehsteig zu verschieben-maximal bis zum Ende des Pflanzraums der Bäume, Parken direkt vor dem Baum verbieten (vielleicht durch Verbreiterung des Pflanzraums bis zur Straße unmöglich machen)?

    1. Hallo Manfred,

      in der Tat wäre das eine Möglichkeit. Unter Wegfall von Parkplätzen. PKW würden dann nur noch zwischen den Bäumen parken dürfen. Die Verschiebung würde etwa 80 cm betragen – sofern man das voll auschöpft.

      Für die Radelnden ergäbe sich daraus jedoch nicht ein voll nutzbarer Zugewinn auf der Fahrbahnseite, da dann der Bordstein „im Weg“ ist. Dazu müßte auch dieser in letzter Konsequenz zurückversetzt werden. Genau diesen kostenintensiven Umbau und den Wegfall eines Teils der PKW-Stellplätze wollte man mit der umgesetzen Planung vermeiden.
      Lassen wir uns überraschen was noch kommt. Der Straßenabschnitt steht jedenfalls weiterhin unter Beobachtung.

  2. Auch mit der beschriebenen Idee aus Frankfurt würde ich mein Kind hier nicht Radfahren lassen, sorry. Diese Strecke ist so und so der Horror. Die parkenden Autos müssen weg. Es braucht ein Parkhaus in der Nähe für die Autos der Anwohner. Dann wäre auch Platz für einen sicheren Radweg auf der Frankfurter Straße. Leider ist das Recht, öffentlichen Raum in Anspruch zu nehmen für ein paar parkendende Autos reserviert. Hoffentlich ändert sich das bald.

    1. Hallo Sophie,

      wir teilen Deine Bedenken. Für den beschriebenen Fall ist zur Sicherheit, nach derzeitigem Recht, das Fahren auf dem Gehweg vorgesehen. Zudem fehlt es zunehmend am erforderlichen Respekt und hier vor allem den schwächeren und schwächsten Verkehrsteilnehmern gegenüber. Auch Mitglieder des Radverkehrsbeirates wurden auf der Frankfurter Straße durch uneinsichtige PKW-Lenker gefährdet und teilweise übelst beschimpft, weil sie sich an die geltende Rechtslage gehalten haben.

      Auch wir hätten gerne die parkenden Autos in der Frankfurter Straße, im Idealfall komplett, weg. Auch Deine Idee dafür Quartier-Parkhäuser zu errichten ist nachvollziehbar. Platz ist dazu aber nirgends mehr, auch weil man es in der Vergangenheit versäumt hat so weit zu denken.

      Zudem ist das eine ziemlich teure Angelegenheit, nämlich so 50.000 – 100.000 EUR pro Stellplatz. Wir sähen dieses Geld viel lieber in eine raketenmäßige Stärkung des ÖPNV und dem Ausbau von P+R weiter draußen damit schon gar nicht so viele Leute mit einem PKW in die Stadt fahren wollen sowie den dringend erforderlichen, beschleunigten, fahrradfreundlichen Umbau von Verkehrswegen.

      Wir werden jetzt an der anstehenden Umgestaltung in der Weißenburgstraße sehen wie der Stadtrat damit umgeht. Auch dort gibt es, gegen den von einer großen Anzahl von Mitgliedern des Radverkehrsbeirates gewünschten Entwurf breiter Fuß-und Radwege zulasten geparkter PKW, erheblichen Widerstand. Nicht nur im Stadtrat selbst, sondern auch von Anwohnern vor Ort.

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